Wie du eine Web- oder mobile App ohne Programmierkenntnisse erstellst
Eine App zu bauen ist der einfache Teil. Sie zu füllen ist das Geschäft — und 657 zahlende Nutzer sind ein Marketingproblem, kein Softwareproblem.
Bevor du eine App baust — auch ohne Programmierkenntnisse — solltest du eine Zahl kennen: Wie viele Menschen müssen sie nutzen, damit sie sich für dich rechnet?
Diese Frage entscheidet fast immer, ob das Vorhaben ein Geschäft wird oder ein teures Hobby. Und sie lässt sich vor der ersten Zeile beantworten.
Die Rechnung, die vor dem Bauen kommt
Nehmen wir eine App für 9 € im Monat.
| Position | Wert |
|---|---|
| Erlös je Nutzer und Monat | 9,00 € |
| − Betrieb, Hosting, Zahlungsgebühren | 2,00 € |
| Deckungsbeitrag | 7,00 € |
| monatlicher Bedarf (Lebenshaltung + Fixkosten) | 4.600 € |
| notwendige zahlende Nutzer | 657 |
Sechshundertsiebenundfünfzig zahlende Abonnenten. Nicht Downloads, nicht Registrierungen — zahlende.
Wenn eine typische Umwandlung von kostenlosen zu zahlenden Nutzern bei 2 bis 5 Prozent liegt, brauchst du dafür 13.000 bis 33.000 aktive Nutzer. Das ist ein Marketingproblem, kein Softwareproblem — und es ist das eigentliche Vorhaben.
Eine App zu bauen ist der einfache Teil. Sie zu füllen ist das Geschäft.
Zum Vergleich dieselbe Person als Dienstleisterin: Bei 1.200 € Auftragswert braucht sie vier Kunden im Monat. Vier statt 657.
Das ist kein Argument gegen Software. Es ist ein Argument dafür, die Zahl zu kennen, bevor man anfängt.
Der Test vor dem Bauen
Bevor du ein Werkzeug auswählst: Erbring die Leistung von Hand.
Wenn deine App Angebote kalkulieren soll, kalkuliere die Angebote für fünf Betriebe selbst — in einer Tabelle, gegen Bezahlung. Wenn sie Termine vermitteln soll, vermittle dreißig Termine per Telefon.
Vier Wochen, fünf zahlende Kunden. Was du daraus lernst:
- ob überhaupt jemand zahlt, und wie viel
- welcher Schritt tatsächlich der schmerzhafte ist — meistens ein anderer als vermutet
- wie oft das Problem auftritt
Der letzte Punkt entscheidet über das Geschäftsmodell. Ein Problem, das monatlich auftritt, trägt ein Abo. Ein Problem, das einmal im Jahr auftritt, nicht.
Wenn du baust: was No-Code kann und was nicht
Die Werkzeuglandschaft ändert sich schnell, deshalb hier keine Namen, sondern Kategorien und Grenzen.
Gut geeignet für:
- interne Werkzeuge und Datenbanken mit Formularen und Auswertungen
- Buchungs- und Terminsysteme
- einfache Marktplätze und Verzeichnisse
- Prototypen, um Nutzern etwas zu zeigen
Schlecht geeignet für:
- alles mit strengen Datenschutzanforderungen (Gesundheits-, Finanzdaten)
- Anwendungen, die bei Wachstum sehr viele gleichzeitige Nutzer tragen müssen
- Funktionen, die tief ins Betriebssystem greifen
Die realistische Erwartung: Du baust in zwei bis sechs Wochen etwas, das funktioniert. Es sieht nicht so aus wie eine große Anwendung, und das ist für einen Test völlig ausreichend.
Die Kosten, die später kommen
Der Bau ist selten das Teure. Die laufenden Posten sind es:
- Plattformgebühren: je nach Anbieter und Nutzerzahl 30 bis 300 € im Monat, steigend mit dem Erfolg
- Wartung: Plattformen ändern sich, Dinge brechen. Rechne mit vier bis acht Stunden im Monat
- App-Store-Anteil: bei mobilen Apps behalten die Stores typischerweise 15 bis 30 Prozent der Erlöse
- Abhängigkeit: Ändert der Anbieter Preise oder Bedingungen, hast du wenig Handlungsspielraum
Der letzte Punkt gehört in deine Planung. Ein Anbieter, der die Preise verdreifacht, kann dein Geschäftsmodell beenden.
Der rechtliche Teil, der oft vergessen wird
Sobald echte Nutzer dabei sind:
- Impressum und Datenschutzerklärung sind Pflicht
- Auftragsverarbeitungsverträge mit allen Diensten, die personenbezogene Daten verarbeiten
- Barrierefreiheit: Seit dem 28. Juni 2025 gilt das Barrierefreiheitsstärkungsgesetz für viele digitale Angebote im Verbrauchergeschäft. Kleinstunternehmen mit unter zehn Beschäftigten und höchstens 2 Millionen Euro Jahresumsatz sind bei Dienstleistungen ausgenommen — prüf, ob das auf dich zutrifft.
- Widerrufsrecht bei Verkauf an Verbraucher
Das ist kein Grund, es zu lassen. Es ist ein Grund, es einzuplanen.
Die ehrliche Empfehlung
Wenn du gerade gründest und ein Einkommen brauchst, ist eine App selten der erste Schritt. Die Nutzerzahlen, die ein Abo-Modell trägt, brauchen typischerweise ein bis drei Jahre — Zeit, die finanziert werden muss.
Der Weg, der häufiger funktioniert: erst als Dienstleister Geld verdienen, dabei das Problem genau kennenlernen, und die Software dann aus der eigenen Praxis heraus bauen — finanziert aus laufenden Einnahmen, mit den ersten Kunden bereits an Bord.
Das ist langsamer. Es ist aber der einzige Weg, bei dem du dir das Lernen leisten kannst.
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