Break Even Point berechnen: Wann machst du einen Gewinn?
Der Break-Even aus der Buchhaltung sagt dir, wann dein Unternehmen sich selbst trägt — nicht, wann es dich trägt. Zwischen beiden liegen oft mehr als doppelt so viele verkaufte Einheiten.
Der Break-Even-Point ist nicht der Punkt, an dem du anfängst zu verdienen. Er ist der Punkt, an dem du aufhörst zu verlieren. Zwischen diesen beiden Sätzen liegt bei den meisten Gründungen ein Betrag von mehreren tausend Euro im Monat — und die Erkenntnis, warum sich der erste Gewinn so lange nicht wie Gewinn anfühlt.
Die drei Zahlen, aus denen alles folgt
Bevor du rechnest, musst du drei Begriffe sauber trennen. Die meisten Fehlkalkulationen entstehen hier, nicht in der Formel.
Fixkosten fallen an, egal ob du etwas verkaufst: Miete, Versicherungen, Software-Abos, Steuerberater, Leasingrate. Sie laufen auch im Monat mit null Umsatz weiter. Genau das macht sie gefährlich.
Variable Kosten entstehen pro verkaufter Einheit: Wareneinkauf, Verpackung, Versand, Zahlungsgebühren, Fremdleistung.
Deckungsbeitrag ist die Differenz zwischen Verkaufspreis und variablen Kosten. Er ist nicht dein Gewinn — er ist der Betrag, mit dem jede verkaufte Einheit hilft, die Fixkosten abzutragen.
Rechnen wir mit einem Onlineshop:
| Position | pro Stück |
|---|---|
| Verkaufspreis (netto) | 49,00 € |
| − Wareneinkauf | 15,00 € |
| − Versand und Verpackung | 4,00 € |
| − Zahlungsgebühr | 2,00 € |
| = Deckungsbeitrag | 28,00 € |
Bei 3.500 € Fixkosten im Monat:
3.500 € ÷ 28 € = 125 Stück.
Ab dem 126. verkauften Artikel bist du in der Gewinnzone. Der Break-Even-Umsatz liegt bei 125 × 49 € = 6.125 €.
Zuschlag und Marge sind nicht dasselbe
Ein Begriffspaar, das regelmäßig verwechselt wird — und die Verwechslung kostet Geld.
Auf die variablen Kosten von 21 € schlägst du 28 € auf. Das ist ein Zuschlag von 133 Prozent.
Vom Verkaufspreis von 49 € bleiben dir 28 € als Deckungsbeitrag. Das ist eine Marge von 57 Prozent.
Gleiche Zahlen, zwei völlig verschiedene Prozentsätze. Wer 30 Prozent Marge will und deshalb 30 Prozent aufschlägt, landet tatsächlich bei 23 Prozent Marge. Bei einem Wareneinsatz von 15 € sind das 1,50 € weniger pro Stück — auf 1.500 Stück im Jahr fehlen 2.250 €.
Zuschlag rechnet von unten, Marge rechnet von oben. Verwechsle sie einmal, und du arbeitest ein Jahr lang unter deiner Kalkulation.
Der Break-Even, der dich verhungern lässt
Jetzt kommt die Zahl, die in der Buchhaltung nicht auftaucht.
Wenn du ein Einzelunternehmen führst, ist dein eigener Lohn kein Kostenbestandteil. Du bist nicht angestellt. Was du zum Leben entnimmst, kommt aus dem Gewinn — nach Steuern. Das heißt: Bei genau 125 verkauften Stück ist dein Gewinn null. Und von null kannst du nicht leben.
Der Break-Even aus der Buchhaltung sagt dir, wann dein Unternehmen sich selbst trägt. Er sagt dir nicht, wann es dich trägt.
Rechne deshalb einen zweiten, ehrlicheren Break-Even — mit kalkulatorischem Unternehmerlohn:
| Position | pro Monat |
|---|---|
| Betriebliche Fixkosten | 3.500 € |
| Privatentnahme (netto) | 2.400 € |
| Kranken- und Pflegeversicherung | 450 € |
| Altersvorsorge | 300 € |
| Einkommensteuer (Rücklage) | 650 € |
| = zu deckender Betrag | 7.300 € |
7.300 € ÷ 28 € = 261 Stück.
Nicht 125. Zweihunderteinundsechzig. Der Unterschied ist nicht ein Aufschlag, sondern mehr als eine Verdopplung — und er entscheidet darüber, ob deine Planung realistisch ist oder ob du dich in Monat sieben fragst, warum das Konto leer ist, obwohl „alles läuft".
Ein Detail zur Steuerrücklage: Bis zum Grundfreibetrag von 12.348 € im Jahr fällt keine Einkommensteuer an, darüber beginnt der Tarif bei 14 Prozent und steigt. Leg trotzdem von Anfang an zurück. Die erste Steuernachzahlung kommt oft im zweiten Jahr — zusammen mit der Vorauszahlung für das dritte.
Warum du im Plus sein kannst und trotzdem kein Geld hast
Der Break-Even ist eine Frage der Gewinn- und Verlustrechnung. Er beantwortet nicht die Frage, ob am Fünfzehnten des Monats Geld auf dem Konto ist.
Der Mechanismus: Du verkaufst 261 Stück, bist rechnerisch bei null, alles gut. Aber deine Lieferanten willst du sofort bezahlen, deine Geschäftskunden zahlen nach 30 Tagen — manche nach 45. Zwischen deiner Zahlung und der Zahlung deines Kunden liegt ein Loch, das mit jedem zusätzlichen Auftrag größer wird.
Wachstum frisst Liquidität, bevor es sie bringt.
Bei 261 Stück und 15 € Wareneinsatz stecken rund 3.900 € allein im Warenbestand eines Monats. Wächst du auf 400 Stück, sind es 6.000 € — 2.100 € zusätzlich, die du vorstrecken musst, bevor der erste Euro Mehrumsatz eingeht. Deshalb gehen wachsende Unternehmen pleite, nicht nur schrumpfende.
Führe neben der Break-Even-Rechnung eine simple Liquiditätsvorschau: Was kommt in den nächsten 13 Wochen rein, was geht raus, was bleibt. Drei Linien, wöchentlich aktualisiert.
Was du an den Stellschrauben tatsächlich bewegen kannst
In dieser Reihenfolge — die erste wirkt am schnellsten, die letzte am langsamsten:
- Preis erhöhen. Bei 49 € auf 54 € steigt der Deckungsbeitrag von 28 € auf 33 €. Der Break-Even fällt von 261 auf 222 Stück. Zehn Prozent mehr Preis, fünfzehn Prozent weniger Stückzahl nötig — kein anderer Hebel ist so stark.
- Variable Kosten senken. Bessere Einkaufskonditionen, günstigerer Versand, niedrigere Zahlungsgebühren. Ein Euro weniger Wareneinsatz wirkt genauso wie ein Euro mehr Preis.
- Fixkosten senken. Wirkt sicher, aber begrenzt — und ab einem Punkt sägst du an der Substanz.
- Mehr verkaufen. Der offensichtliche Hebel, aber der langsamste und teuerste. Und er verschärft dein Liquiditätsproblem, bevor er es löst.
Die Reihenfolge überrascht viele. Sie folgt aber direkt aus der Formel: Der Deckungsbeitrag steht im Nenner. Alles, was ihn erhöht, wirkt überproportional.
Die eine Rechnung, die du diese Woche machen solltest
Nimm dein Hauptprodukt oder deine häufigste Dienstleistung. Ermittle den Deckungsbeitrag pro Einheit. Addiere deine betrieblichen Fixkosten und das, was du zum Leben brauchst — inklusive Krankenversicherung und Steuerrücklage. Teile.
Die Zahl, die herauskommt, ist deine eigentliche Zielgröße. Nicht der Umsatz. Nicht der Gewinn aus der Steuererklärung.
Wenn diese Zahl in deinem Markt erreichbar ist, hast du ein tragfähiges Geschäft. Wenn nicht, weißt du es jetzt — und nicht erst nach vierzehn Monaten.
coachRED.ai
Schreib jetzt deinen Businessplan mit KI-Coach Alex.
18 Kapitel, Schritt für Schritt geführt. Export als PDF und Word.
Kostenlos starten