Wie du Geld mit deiner App verdienst
Je niedriger dein Preis, desto mehr wird aus deinem Softwareprojekt ein Marketingprojekt. Werbefinanziert brauchst du über 90.000 Nutzer — im B2B-Abo 184.
Die Frage, wie du mit einer App Geld verdienst, hat eine unbequeme Vorstufe: Wie viele Menschen müssen zahlen, damit es reicht?
Diese Zahl entscheidet über das Erlösmodell — nicht umgekehrt. Wer zuerst das Modell wählt und dann rechnet, landet regelmäßig bei einer Nutzerzahl, die er nie erreichen wird.
Die Rechnung, die das Modell bestimmt
Dein monatlicher Bedarf als Solo-Gründer liegt realistisch bei rund 4.600 € — Lebenshaltung, Krankenversicherung, Altersvorsorge, Steuerrücklage und betriebliche Fixkosten zusammen.
Was das je Erlösmodell bedeutet:
| Modell | Deckungsbeitrag je Nutzer/Monat | nötige zahlende Nutzer |
|---|---|---|
| Abo 9 € | 7,00 € | 657 |
| Abo 29 € (B2B) | 25,00 € | 184 |
| Einmalkauf 19 € (Ø 18 Monate Nutzung) | 0,80 € | 5.750 |
| Werbefinanziert | 0,01–0,05 € | 90.000+ |
Die letzte Zeile ist der Grund, warum werbefinanzierte Apps für Einzelgründer praktisch nie funktionieren. Um von Werbung zu leben, brauchst du eine Reichweite, die selbst etablierte Anbieter selten erreichen.
Je niedriger dein Preis, desto mehr wird aus deinem Softwareprojekt ein Marketingprojekt.
Und Marketing für 90.000 Nutzer ist ein völlig anderes Unternehmen als Software für 184 zahlende Kunden.
Warum B2B fast immer die bessere Rechnung ist
Der Vergleich in der Tabelle ist eindeutig: 184 statt 657 zahlende Nutzer, bei gleichem Bedarf.
Der Grund ist nicht, dass Unternehmen mehr Geld haben. Es ist, dass sie anders rechnen. Ein Betrieb, der durch deine Software zwei Stunden im Monat spart, hat bei einem internen Stundenwert von 45 € einen Nutzen von 90 € — 29 € dafür zu zahlen ist eine einfache Entscheidung.
Ein Privatnutzer rechnet nicht so. Für ihn konkurrieren 9 € im Monat mit einem Streaming-Abo.
Dazu kommt: B2B-Kunden kündigen seltener. Eine monatliche Abwanderungsrate von 2 Prozent im Geschäftskundenbereich gegenüber 8 bis 10 Prozent bei Privatkunden bedeutet, dass du deutlich weniger neue Kunden brauchst, nur um die Zahl zu halten.
Rechne das einmal durch: Bei 200 Kunden und 8 Prozent Abwanderung verlierst du 16 Kunden im Monat. Du musst also 16 gewinnen, bevor du wächst. Bei 2 Prozent sind es 4.
Die Kennzahlen, auf die es ankommt
Drei Werte, alles andere ist nachgelagert:
1. Deckungsbeitrag je Nutzer. Preis minus Hosting, Zahlungsgebühren und App-Store-Anteil. Bei mobilen Apps behalten die Stores typischerweise 15 bis 30 Prozent — das ist bei einem 9-€-Abo bis zu 2,70 €, also fast ein Drittel.
2. Abwanderungsrate. Wie viel Prozent kündigen monatlich? Diese Zahl bestimmt, wie viel Wachstum überhaupt beim Bestand ankommt.
3. Kosten der Nutzergewinnung. Was kostet ein zahlender Kunde inklusive deiner eigenen Zeit? Faustregel: Der Kundenwert über die gesamte Nutzungsdauer sollte mindestens das Dreifache betragen.
Bei 25 € Deckungsbeitrag und durchschnittlich 20 Monaten Nutzungsdauer liegt der Kundenwert bei 500 €. Gewinnungskosten bis rund 165 € sind dann tragfähig.
Was du vor dem Erlösmodell klären musst
Die kostenlose Version ist keine Marketingentscheidung, sondern eine Finanzierungsentscheidung.
Wenn 3 Prozent deiner kostenlosen Nutzer zahlen, brauchst du für 184 zahlende rund 6.100 kostenlose — die alle Hosting und Support kosten. Das ist tragbar bei geringen Betriebskosten und ruinös bei rechenintensiven Funktionen.
Die Alternative, die bei kleinen Anbietern besser funktioniert: eine zeitlich begrenzte Testphase statt einer dauerhaft kostenlosen Version. 14 oder 30 Tage, danach Entscheidung. Die Umwandlungsquote liegt deutlich höher, und die Kosten für Nichtzahler sind begrenzt.
Der rechtliche Rahmen bei Abos
Beim Verkauf an Verbraucher in Deutschland:
- Kündigungsbutton ist Pflicht — genauso einfach erreichbar wie der Abschluss
- Automatische Verlängerung: nach dem ersten Jahr nur noch mit monatlicher Kündigungsmöglichkeit
- Widerrufsrecht von 14 Tagen, mit ordnungsgemäßer Belehrung
- Umsatzsteuer richtet sich bei digitalen Leistungen an Privatkunden im EU-Ausland nach dem Land des Kunden — das One-Stop-Shop-Verfahren macht das handhabbar
Bei B2B entfallen Widerrufsrecht und Kündigungsbutton, dafür kommen längere Zahlungsziele.
Der ehrliche Schluss
Wenn du aus der Arbeitslosigkeit gründest und ein Einkommen brauchst, ist ein App-Abo selten der Weg, der dich trägt. Die Zeit bis zu 184 zahlenden Geschäftskunden beträgt typischerweise ein bis drei Jahre — und der Gründungszuschuss deckt fünfzehn Monate.
Der Weg, der häufiger aufgeht: Verdiene zuerst als Dienstleister an genau der Zielgruppe, für die du später bauen willst. Du lernst das Problem, verdienst währenddessen, und wenn die Software kommt, hast du die ersten zwanzig Kunden bereits.
Das ist langsamer als die Alternative. Es ist aber der einzige Weg, bei dem du überlebst, während du lernst.
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